Tarek K.I.Z. – Golem

Mit Golem erschien am 31.01.2020 das Solo-Debüt-Album von Tarek von K.I.Z. von dem was ich so mitbekommen habe,war das Feedback zu diesem Album eigentlich ziemlich positiv. So positiv, dass ich mich fragen muss, ob ich ein anderes Album gehört habe, als beispielsweise Thomas Winkler vom musikexpress?

Denn ich merke schon beim ersten vollständigen Durchhören des Albums, das ist mir alles musikalisch irgendwie zu langweilig… Viele Lieder haben einen so ähnlichen Sound, dass für mich die erste Hälfte des Albums gleich klingt. Das ist vielleicht das, was passiert, wenn man versucht ein stimmiges Soundbild zu erzeugen und dabei einfach übertreibt. Die Beats sind teilweise sehr ähnlich zueinander, gleiches gilt für die Anordnung der gerappten und gesungenen Passagen darauf. Das Album als ein solches anzuhören fühlt sich für mich schnell anstrengend an.

Der erste markante Moment der für mich beim Durchhören des Albums hervorstach, war der Einsatz von Nico bei seinem Part auf dem Song K.I.Z. für immer. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier aber um ein Solo-Album handelt, also ein Album mit dem man sich musikalisch zumindest zu einem gewissen Grad von dem bestehenden Gemeinschaftsprojekt K.I.Z. abgrenzen will, ist das leider symptomatisch für den mangelnden Mut, mehr in eine ausdifferenzierte eigene Richtung zu gehen. (Ein eigenerer Stil wird definitiv angerissen, doch darüber geht es in meinen Augen nicht hinaus.)

Dementgegen macht das Album textlich schon etwas her. Und das so richtig. Besonders emotionalere Songs sind wirklich schön geschrieben, nicht zu letzt weil sich Tarek hier traut ernsthaft tief blicken zu lassen. Wir erfahren etwas darüber, wie er Kokain-abhängig war und wie schlimm das Verhältnis zu seinem Stiefvater war, der seine Mutter misshandelte. Damit sind Weißer Drache und Letzte Chance definitiv bewundernswert mutige Songs, die eine unfassbare Stärke des Albums sind.

Auf der anderen Seite scheut Tarek sich auch nicht klischeehafte Phrasen abzusondern, die mich mit dreizehn vielleicht berührt hätten, mich gerade bei Tarek aber eher auf ein comic relief hoffen lassen. Das dann aber nicht kommt. Schade. Auch finden sich viele Wiederholungenen von Lines auf unterschiedlichen Songs. Und bevor sich jetzt jemand beschwert, „DaS sInD rEfErEnZeN zU aNdErEn SoNgS“, das meine ich gar nicht. Aber wenn Tarek mir auf mehreren Songs erklärt, er sei seit einer bestimmten Anzahl an Stunden nicht mehr nüchtern, dann beginnt mich das irgendwie zu nerven. Werde doch erstmal wieder nüchtern und überlege dir dann eine andere Line. Textlich überwiegt für mich hier aber dennoch stark das Positive. Die Offenheit, die Tarek hier zeigt, sucht seines gleichen.

Was es dem Album hingegen nicht leichter macht, ist der Fakt, dass viele Singles vorher schon veröffentlicht wurden… eventuell zu viele. Deswegen und wegen der zuvor beschriebenen mangelnden Variation auf dem Album hat man beim durchhören des Albums schnell das Gefühl, dass man es schon gehört hat. Und ja, das Musikvideo zu Nach wie vor, in dem Tarek im Stile von Kill Bill mit der AfD abrechnet ist wirklich sehenswert. Aber ein Musikvideo zu einer Single verbessert nicht das allgemeine Werk eines Albums.

Ist Golem also ein schlechtes Album? Nein, es ist definitiv ein Album, das durch Songs wie Kaputt wie ich oder Weißer Drache für mich auch glänzen kann. Da dies aber tatsächlich über die Songs als einzelne geschieht und nicht für das Album als Gesamtwerk gilt, liegt vor allem daran, dass für mich musikalisch nicht weitläufig genug experimentiert wurde. Klar ist es schön zu sehen, dass Tarek sich traut mehr in einen Singsang zu fallen. So wie er es tut, ist das allerdings für mich nur für zwei bis drei Songs wirklich spannend und nicht wenn das nach einem wiederkehrenden Konzept auf jedem zweiten Song passiert.

Ich hatte von dem Album leider mehr erwartet als das und muss zugeben, dass ich mich wirklich ein wenig durch das Album durchgequält habe. Im Nachhinein stelle ich mir die Frage, hätte ich mir das Album bis zu Ende angehört, wäre es ein Debüt-Album gewesen, das nicht im Zusammenhang mit einer Größe wie K.I.Z. gestanden hätte. Auch überlege ich, ob es nicht tatsächlich besser gewesen wäre, Golem nicht als Album zu veröffentlichen, sondern als ein Playlist-Projekt oder ähnliches. Dabei bin ich wirklich kein Fan von solchen Sachen, dennoch muss ich sagen, dass mir die einzelnen Songs für sich stehend deutlich besser gefallen haben, als in Form eines gesamten Albums. Gerade weil ich so den textlichen Wert des Albums nicht ganz schätzen kann. Zumindest nicht so sehr, wie es das Album auf dieser Ebene wohl verdient hätte.

Quelle des Covers: Warner Music International (Warner)