Bambus – Shiny

Der Rapper Bambus aus Kamen in NRW war mit seiner Leidenschaft für Hip-Hop bei sich in der Gegend relativ allein. Dank des Internets fand er allerdings schnell einen gewissen Anschluss bei Gleichgesinnten. Und das nur um dann am Ende ganz bewusst nicht so richtig ins Bild passen zu wollen?

Denn auch auf seinem am 13.03.2020(, also wenn ihr ganz pünktlich seid:heute) veröffentlichten Album shiny bedient er sich wieder aus verschiedensten Einflüssen, ohne dabei wie diese zu klingen.

Chillige Lofi-Samples fügen sich auf diesem Album mit Vaporwave-inspirierten Synthesizersounds und einer bunten Mischung Drums zu einem fluiden Sound zusammen. Das ganze klingt dabei aber nicht so, als hätte jemand einfach alles, was dieser Person gerade gefällt, in einen Topf geworfen, um zu sehen was dabei rauskommt. Shiny klingt insgesamt nach einem ausgereiften eigenen Sound der mit einem entspannten und dennoch darin beschwingten Vibe daher kommt. Das ganze erinnert mich zunächst an die Alben von Nujabes, ist dann aber doch wieder etwas ganz eigenes. Diese Stimmung zieht sich dabei trotz einer gewissen Sammlung an verschiedenen Produzenten auf dem Album schön konsequent durch das ganze Werk und findet eine gute Mitte zwischen Abwechslung und einem sound-technischen roten Faden.

Am Anfang des Albums hört sich das hierbei noch verdächtig so an, als würde man den ChilledCow LoFi-Beats-Live-Stream durchlaufen lassen. Doch schon zum dritten Song Flucht steigern sich die Drums zu einem energetischen Rhythmus und auch die Performance von bambus geht diesen Weg mit.Das ganze dehnt sich in der Stimmung des Sounds zu einem richtigen auf und ab aus, dass aber nicht durch zu abrupte Wechsel darin unterbrochen.

Der textliche Teil des Albums wirkt oberflächlich betrachtet zunächst etwas einfach gehalten. Man könnte meinen, dass hier eher ein Fokus auf das Erzeugen eines gewissen Gefühles gelegt wird, dass eher durch Gesang, Rap und allem dazwischen erzeugt werden soll. Trotzdem sind die Texte keinesfalls schlecht geschrieben. Immer wieder fallen schöne Reime und durchdachte Bildsprache auf. Bambus zeigt dabei an einigen Stellen Attitüde, bleibt vor allem aber stets gefühlvoll und leicht verkopft. Genau so verkopft nämlich, dass es zur allgemeinen Atmosphäre der Scheibe beiträgt. Denn insgesamt fließen die Texte einfach schön über die wunderbar eigenartigen Beats.

Jeder muss sterben, doch zahle den Preis/
nicht – bewahre die Weitsicht/
aus Fehlern zu lernen ist leicht/
denken sie alle, dann brechen sie ein/

Bambus auf dem Song versenkt

Bambus hier beim leicht säuselnd murmelnden Rappen zuzuhören macht schnell genau deswegen Spaß, weil man sich nicht allzu sehr auf die Texte konzentrieren muss, es aber auch nicht weh tut, wenn man es doch tut. Stattdessen wird man durch seine Flows über die verschiedenen Beats geleitet. Dabei strahlt alles was er sagt überwiegend positive Laune aus, die auch durch die vereinzelten in eine etwas dunklere Richtung gehenden Passagen des Albums im Gesamteindruck nicht verdeckt werden kann.

Das alles funktioniert so gut, dass man teilweise fast überhören könnte, wie Bambus über Flatearther witzelt oder von zerbrochenen Beziehungen spricht, an denen er schließlich doch gewachsen ist. So kristallisiert sich schnell heraus, dass die Lieder bei genauerer Betrachtung keine willkürlich gedroschenen Phrasen sind. Unaufdringlich fordern die Texte die Zuhörer*innen dazu auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie genau das alles gemeint ist.

Insgesamt hat mir shiny ziemlich gut gefallen. Es ist definitiv ein Album, dass man gerne einfach durchlaufen lässt… um es dann gleich drei, vier mal auf repeat anzuhören. Im Gesamteindruck klingt es so, als könnte man in den Klängen des Albums versinken, ohne dass es einen dabei einschläfern würde. Gleichzeitig wie eine Menge Experimente und wie ein bewusst konstruiertes Gesamtwerk klingend, ist shiny wirklich eine musikalische Perle, die jeder mal gehört haben sollte. Denn Bambus fügt seine ganz eigene unkonventionelle Farbe auf der Palette des Spektrums „Deutschrap“ hinzu und wird so Teil des Bildes, ohne sich dabei anpassen zu müssen.

Quelle des Covers: 2020 WELTGAST