Lola Marsh – Album: Someday Tomorrow Maybe

Das israelisches Duo Lola Marsh oder wie es eigentlich heißen sollte לולה מארש veröffentlichte 24.02.2020 ihren zweiten Longplayer Someday Tomorrow Maybe.

Hierauf nimmt uns die Band bestehend aus den beiden Musiker*innen Yael Shoshana Cohen und Gil Landau wieder mit auf eine Reise voller Nostalgie-Feeling zu nie gesehenen Momenten.

Denn thematisch erzählt das Album viel aus einem inneren Gefühl heraus. Von dem Wunsch nach Geborgenheit, der seltsamen unsichtbaren Wand zwischen zwei Menschen, die sich anziehend finden dabei aber zu schüchtern sind, von der Frage nach der eigenen Identität… Insgesamt könnte das alles wohl am besten unter dem Begriff „Wehmut“ gefasst werden. Dabei werden meist zwar einfache Worte gewählt, die nicht zuletzt aber zu wunderschönen Metaphern geformt werden.

My marbles I’ll be giving to you old friend Colorful balloons are painting my pale moon

Yael Shoshana Cohen auf What Am I

Darüber hinaus ist der gesamte Klang, den die beiden Musiker*innen hier hervorrufen, einfach zum dahinschmelzen. Schnell ist man von eingängigen Melodien eingelullt, die überwiegend ruhig daherkommen.

Dabei manifestiert sich ein Klangbild, das einen auf eine Reise irgendwo zwischen einem 60er-Jahre Western und Modernem Indie-Pop/Folk-Singsang schickt. Mal Hymnenhaft, mal voller Sehnsucht singt sich Cohen hier über die bunten Retrosounds von Multi-Instrumentalisten-Kollege Landau. Dabei trieft das Album nur so vor Melodramatik und schafft es dabei irgendwie gleichzeitig nach warmen Sommersonnenstrahlen auf der Haut und verregnetem Herbsttag zu klingen.

Was mir besonders gut an Someday Tomorrow Maybe gefällt, ist, dass sich das Album auf Grund seiner sehr schönen und kreativen musikalischen Ausarbeitung ein wirklich tolles Gesamtwerk abgibt. Das Album fesselt schnell und lässt durch ein gewiss dosiertes Maß an Variationen doch immer neue Akzente spüren. Gleichzeitig lassen sich die Songs auf dem Album auch gut entkoppelt von dem Gesamtwerk anhören, wenn mensch das denn möchte.

Denn die Dynamik, die sich durch die musikalischen Variationen auf dem Album finden lässt, ist nicht nur beschränkt auf Unterschiede zwischen einzelnen Songs. Auch innerhalb der Lieder selber lassen sich auf diesem Album Reisen erleben. Denn auch hier werden wir teilweise von Landau an die Hand genommen und tiefer in den Hasenbau dieses Albums geführt.

Abschließend kann ich sagen, dass dieses Album für mich ein intensiver Begleiter seit seiner Veröffentlichung war. Die gefühlvoll geschrieben wie vorgetragenen Texte reißen mich schnell hinein in die melodramatische Welt von Lola Marsh. Dennoch wirkt das alles dabei aber so künstlerisch durchdacht und gekonnt präsentiert, dass mensch von dem ganzen Kitsch auf dieser Platte nicht überwältigt wird. Die Kitschigkeit des Werkes lässt sich zwar nicht abstreiten, sie tritt aber in einer sehr gut verarbeitbaren Dosis auf. Egal ob man Musik zum nebenbei herlaufen sucht oder sich mit etwas Anspruch bewusst ein Album anhören möchte, mit Someday Tomorrow Maybe ist definitiv beides möglich.

Quelle des Covers: Barclay (Universal Music)