Antilopen Gang – Album: Abbruch Abbruch

Wie viele Alben Titel, die mit dem Buchstaben A anfangen kann man eigentlich noch finden? Aversion, Abwasser, Atombombe auf Deutschland und jetzt schließlich Abbruch Abbruch. Und doch klingt scheint jeder dieser Titel passend.

Abbruch Abbruch beginnt mit einer Rückschau auf das Jahr 2013, mit einem song der dementsprechend benannt wurde: 2013. Darin wird das Jahr aus der persönlichen Sicht der Band die Reihe an Schicksalsschläge und Probleme dieses Jahres beschrieben. Beginnend mit Struggle in der Beziehung bis hin zum tragischen Suizid des Bandmembers NMZS. Nach eigener Aussage haben die drei hinterbliebenen Bandmitglieder darin für sie das einen Song produziert, der am ehesten die Schwierigkeiten einfangen kann, die sie in diesem Jahr durchlebt haben, einen Song der NMZS am ehesten gerecht wird. Darüber zu urteilen wäre falsch, aber dies zu lesen ist auf jeden Fall etwas, was einen für die drei mit aufatmen lässt.

Damit setzt die Antilopen Gang allerdings schon einiges für dieses Album fest. Als Intro einen so gelungenen, ernsthaften und emotionalen Song zu wählen ist ein starkes Stück. So etwas kann jedoch auch schnell nach hinten los gehen, denn damit wird wohl auch schnell eine hohe Erwartungshaltung für das Album hervorgerufen. Doch bereits mit dem nächsten Song Der Ruf ist ruiniert gelingt ein umstieg aus den Gefilden solch bedrückender Thematiken und führt uns hinein in eine Welt inder diese dann doch noch existieren, allerdings gepaart mit einer aneckenden Anti-Alles-Attitüde.

Und diese Attitüde scheint der rote Faden dieses Albums zu sein. Dabei gehen sie beispielsweise mit dem „Vorwurf“, sie würden „klugen Rap für Studenten“ machen, mit bewusst stupiden Lines wie:

Jeder, der wat will soll‘ kommen und ein Nudelholz kassieren

Danger Dan auf Der Ruf ist ruiniert

Thematisch hangelt sich die Gang dabei durch diverse Stoffe. Es wird diskutiert, wie gut es ist, dass man in den heutigen Zeiten eine Beziehung einfach so beenden kann, wie enttäuschend das erste mal ist und wie schlimm sich dauerhafter Gras-Konsum auf das Leben auswirken kann. Man könnte sagen ein Sammelsurium von unpopular opinions, die jeder insgeheim dann doch so unterschreiben würde. Das ganze wird dabei mal ernsthaft-aggressiver, mal mit ironisch-zynischem Witz präsentiert.

Hätte ich Puste, dann spielte ich Dudelsack
nachts um vier vor der tür von der Burschenschaft

Jep, dedädeldidum

Panik Panzer auf Wünsch dir nix

Dabei scheuen sie sich auch nicht ihre Hörer*innen direkt anzugreifen.

Uns’re Fans sind nicht die Zecken von früher
Uns’re Fans sind SPD- und Grün-Wähler

Danger Dan auf Der Ruf ist ruiniert

Die Beats auf dem Album sind dabei vielfältig und gehen meist nach vorne, können aber auch wie beispielsweise auf Trenn dich etwas ruhiger und melodischer klingen. Es entsteht ein guter Mix der seinen Fokus auf die Unterstützung der Anti-Attitüde der Texte legt. Besonders gut gefällt mir hier der Beat von Der Ruf ist ruiniert,(welches auch derzeit mein Lieblingslied des Albums ist, aber das habt ihr bestimmt schon geahnt…) den niemand geringeres als C.O.W. 牛 produziert hat.

Das alles begeistert mich sehr. Die Stimmungswechsel der Songs sind mir dabei zwar an manchen Stellen etwas zu stark, das ist jedoch lediglich meine subjektiver Geschmack. Insgesamt ist das Album mehr als solide, setzt gewohnt ironisch-stark-formulierte Sozial-Kritik und macht musikalisch einfach Spaß. Ich hatte eine hohe Erwartung an dieses Album und diese wurde sogar noch etwas übertroffen.

Quelle des Bildes: Jkp (Warner)