Das Ding ausm Sumpf – Kränk

Wer meine „Blog-Schreiberei“ schon eine Weile verfolgt, weiß, dass ich mich an Stefan Mühlbauer a.k.a. Das Ding ausm Sumpf schon mehrfach im positivsten Sinne abgearbeitet habe. Der Rapper, der ebenso promovierter Volkswirt und ehemaliger Opernsänger ist, lieferte nun am 06.03.2020 sein neues Album kränk ab und so ist es für mich wohl Zeit für einen Blogeintrag darüber.

Eine unglaubliche Stärke des Albums ist, dass sich darauf nicht davor gescheut wird, wirklich schwerwiegende Problematiken zu thematisieren. So behandelt Das Ding ausm Sumpf beispielsweise den Rechtsruck in Deutschland, häusliche Gewalt oder Rassismus. Darüber hinaus wird aber auch vor persönlichen Thematiken wie den unangenehmen Seiten des gefühlten Außenseitertums nicht halt gemacht. Durch die Vielzahl dieser angesprochenen Problematiken könnte eine Reizüberflutung beim Anhören des Albums erwartet werden. Stattdessen wirkt es aber sehr vielseitig und ausgesprochen inhaltsvoll.

Nennst mich Teil des Problems, Teil des Systems,
dass ich Schuld sei für die Scheiße im Leben

Das Ding ausm Sumpf auf dem Song Vögel filmen im Senegal

Wer jetzt allerdings denkt, bei kränk handele es sich um ein Album, das durch seinen thematischen Anspruch eine pure Ernsthaftigkeit beim Zuhören bedarf, der liegt falsch. Denn Stefan lässt sich auch durch all dies nicht seinen Humor nehmen und schreibt seine Texte mit Witz, Selbstironie und oft auch mit einem gewissen Augenzwinkern. Dabei schlägt er viele Brücken zu vielen Rap-Songs, bei denen mir vor allem Verweise zu Casper (als eingefleischter Casper-Fanboy) gut gefallen haben.

Auf den Schultern von Giganten
Ignorant wie immer und nie

Das Ding ausm Sumpf auf dem Song Smile I

Bei den Beats fällt mir vor allem auf, dass einige sich sehr stark so anhören, als wären sie mit klarer Ausrichtung auf ein Live-Publikum produziert worden. Leider liegen auch für Das Ding ausm Sumpf dabei die nächsten Live-Termine durch das Corona-Virus erstmal flach, aber sobald hier die Möglichkeit besteht, gilt es natürlich, dies in Erfahrung zu bringen. Doch auch für Leute die sich in Isolation gerne durch die Küche tanzen. Darüber hinaus bietet das Album aber in Bezug auf musikalische Stimmung ebenfalls einiges an Abwechslung. Hierbei klingt es sehr ausgereift und mit Liebe fürs Detail bewusst ausgearbeitet.

Ab jetzt bin ich mein eigener Chef
Kein Geld, aber dafür Zeilen für’s Herz

Das Ding ausm Sumpf auf dem Song kränk

Insgesamt hat sich Das Ding ausm Sumpf in meinen Ohren hin zu einer moderneren Version seiner selbst entwickelt, ohne dass dabei eine dieser beiden Versionen jedoch schlechter oder besser wäre, als die jeweils andere. Er transportiert weiterhin lyrisch ausgereifte Texte, nur eben mit etwas stärkerem Pop-Kultur-Bezug und weniger verkopft formuliert, nie aber ohne Kopf im Inhalt. Ein sehr nices Album, das sich ein wenig anfühlt wie eine Version 2.0 seines eigenen Stiles.