Mavi Phoenix – Boys Toys

Am 03. April 2020 veröffentlichte der Linzer Rapper Mavi Phoenix sein erstes Album Boys Toys. Schon vorher war ich ein Fan seiner Musik, die in meinen Augen zunehmend besser wurde. Nun zeigt sich Mavi Phoenix von einer neuen Seite, die persönlicher ist denn je, dabei aber ebenso gewohnt klingt.

Als zentrales Thema behandelt Mavi Phoenix die Kindheit und das Leben, das er bisher nicht auslebte. So outete sich Marlon Nader erst zu Neujahr als Trans-Mann, was er dabei direkt als zentrales Thema seines Albums bearbeitet. Ein mutiger Schritt, der sich dabei in keinster Weise anhört wie eine Flucht nach vorne, sondern wie ein reflektiertes zu sich selbst stehen.

When I was young / I felt myself
Then I grew up / Got lost again

Mavi Phoenix auf Fck It Up

Die Songs bewegen sich dabei von der Liebeshymne Strawberries, über melancholische Songs wie Bullet in my Heart, bis hin zu voll aufgeladen nach vorne gehenden Songs wie Choose your Fighter. Hierin spielt Marlon auf verschiedenste Weisen durch, welche Positionen im Leben er bisher hätte einnehmen können. Er inszeniert sich in verschiedensten Rollen, wobei er in diesem retrospektiven Gedankenspiel eine klare conclusio fasst:

I’m bad if you like, if that’s what you like?
I’m sweet, I’m fly, just an average guy

Mavi Phoenix auf 12 inches

Demnach ist Boys Toys keinesfalls ein monothematisch ernsthafter Monolog, sondern ein richtiges Hitfeuerwerkvoller voller gut platzierter Höhen und Tiefen, dass durch seinen klaren roten Faden ein Album mit gut abgerundetem Gesamtkonzept ist. Darüber hinaus zeigt es anschneidend, wie facettenreich und chaotisch die Gefühlswelt in Marlons-Position sein kann. Ein Thema, dem diese Öffentlichkeit und bewundernswerte Ehrlichkeit wohl hoffentlich gut tut.

And man, I gotta say I feel much better now. Haha
Ey, just do whatever the fuck you wanna do, okay?
And that’s it

Mavi Phoenix auf Who I Am

Dieser musikalische Anstrich des Albums hört sich zudem so an, als habe Mavi hierin mehr zu sich selbst gefunden. Dabei hat bewegt sich sein eigener Sound, der irgendwie immer wie eine schnelle Cloud-Rap-Weiterentwicklung mit diversen Einflüssen angehört hatte, noch etwas deutlicher von eben diesem Cloud-Rap-Charakter hinweg. Stattdessen lassen sich Mavis diverse musikalische Einflüsse an verschiedenen Stellen des Albums wiederkennen. So klingt das Album vereinzelt inspiriert durch Pop, mal mehr durch R’n’B, mal durch Trap und mal nach etwas ganz anderem.

In meinen Augen ein überaus gelungenes Album, dass sich sehr gut anhören lässt, auch wenn mansich nicht mit der darin behandelten Theametik auseinandersetzt. Tut man es doch, so kann es nur umso mehr durch seine Offenheit glänzen. Denn dadurch gewinnt das Album noch mehr an Stärke.

Quelle des Bildes: LLT Records