Amy Wald – Mehr als nur ein Like

Die Salzburger Pop-Künstlerin Amy Wald konnte nicht zuletzt durch einen zynischen Antwort Song auf einen Frauen verachtenden Shit-Post eines sehr großen deutschen Rappers auf Instagram auf sich aufmerksam machen. Ihr wisst sicher, von wem ich rede und wenn nicht, dann ist das umso besser. Ich möchte den Namen lieber nicht erneut nennen. Denn ehrlich gesagt habe ich einiges an Unverständnis für den aktuellen Shitstorm gegenüber diesem Rapper, so scheint bei ihm eine misogyne Einstellung doch zum Standardrepertoire seiner Äußerungen zu gehören. Es müsste dementsprechend schon seit langem klar sein, dass dem guten Herrn deswegen so wenig Aufmerksamkeit und Raum für seine Persona wie möglich geschenkt werden sollte.

Damit soll aber auf keinen Fall Amy’s Kritik denunziert werden, im Gegenteil. Diese ist im Kontext des Shitstorms richtig und wichtig und wenn ihr euch diesen kleinen Song anhört, so wird euch auffallen, dass sie darin lediglich auf die Äußerungen, nicht auf den Rapper an sich eingeht. Ein gelungener Schuss vor den Bug wie ich finde. Deswegen findet ihr das kurze Medley auch am Ende dieses Beitrages, unter dem Song mit dem ich mich hier eigentlich beschäftigen möchte.

Denn hier möchte ich mit ihrer am 07. August veröffentlichten neuen Single Mehr als nur ein Like beschäftigen. Ein sehr eingängig und leicht daherkommender Song, der nach angenehmem Pop mit leichten Rock Einflüssen klingt. Die zunächst etwas simpler gehaltenen Gesangspassagen variieren im Verlauf des Songs immer mal wieder, was das Lied dabei verspielt wirken lässt, zum anderen etwas deutlicher das musikalischen Können der Interpretin durschimmern lässt. Dabei wird ein überwiegend positiver Vibe erzeugt, der schnell mitreißend wirkt.

Ich swipe und ich scrolle in die Ewigkeit

Amy Wald auf Mehr als nur ein Like

Zur Höhe getrieben wird diese fröhliche Energie in der Hook, die mit Choral-artigen Adlibs, dem einspielen von Melodie-Mitgepfeife und einfach gehalteneren Lyrics ungemein gut ins Ohr geht und eine ganze Weile im Kopf bleibt.

Aus dem W-LAN, aus dem Sinn

Amy Wald auf Mehr als nur ein Like

Dieser aufgeweckte Sound von Amy Wald steht dabei fast conträr zum Text des Songs. So handelt dieser doch im Grunde davon, sich in Social Media zu verlieren und sich zu sehr davon abhängig zu machen. Dabei erzählt sie von verpassten realen Treffen mit Menschen, dem Verlust von Zeitgefühl und dem Wunsch sich – trotz der Anziehung, die Social-Media ausübt – diesem Kosmos mal zu entziehen.

Doch dadurch verliert der Song an kaum einer Stelle seinen freudigen Charakter. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das ganze ziemlich gut geschrieben ist. Ohne moralischen Zeigefinger reflektiert Amy ihr eigenes Nutzungsverhalten. Nicht zu komplex wird die Thematik auf verschiedene Redewendungen übertragen, anekdotisch aus eigener Sicht erzählt und mit einer gewissen Gewitztheit hinterfragt, ob es nicht besser wäre, das Handy mal bei Seite zu legen. So macht das Lied beim Zuhören auch textlich Freude und transportiert die Thematik gleichzeitig sehr nachvollziehbar und zugänglich.

Mein Feed ist der Weg und das Ziel sind die Trends

Amy Wald auf Mehr als nur ein Like

Wie ermüdend das ganze sein kann, wird bereits am Anfang des Musikvideos sichtbar, als die Sängerin vor der Kamera, welche den eindruck macht durch einen Handybildschirm zu filmen, eindöst und durch einen Benachrichtigungton wieder aufgeschreckt wird. Insgesamt spiegelt Video zum Song sowohl den fröhlich poppigen Vibe des Songs wieder, fängt gleichzeitig aber auch die inhaltlich kritische Thematik des Textes ein. In diesem sehen wir Amy Wald als aufgeweckte Persönlichkeit, die mal mit einem überdimensionierten Handy durch die Kulisse eines Schlafzimmers, mal vor einer mit generischen App-Icons tapezierten Fotowand, mal durch die „echte Welt“ tanzt. Dies kann dabei gleichzeitig als eine Repräsentation des poppigen Ohrwurm-Sounds, aber auch des Inhalts gesehen werden. So ist die Ästhetik des Videos doch farbenfroh, wild und wie auch der Vibe des Liedes selber ausgelassen. Der Inhalt kann zudem durch ein unterschwelliges Narrativ aufgegriffen gesehen werden, bei dem wir zunächst Amy einfach durch die Inszenierung des Musikvideos selber betrachten, später dann auch zunehmend durch Einbettung von real existierenden Social-Media Beiträgen von ihr.

Dadurch entsteht insgesamt ein auf allen Ebenen zusammenpassendes und kurzweiliges Produkt, dass gleichzeitig Unbekümmertheit und Anregung zur Selbstreflektion des eigenen Social-Media-Konsums zurücklässt. Mehr Als Nur Ein Like ist damit ein gelungener Deutsch-Pop-Track.