Odd John & Thinh – Orange Days

Am 28.08. veröffentlichten der Marburger Rapper Odd John und sein Produzent Thinh die Single Orange Days, einen Song, der auf verschiedenen Ebenen ambivalent wirkt, sich nicht vorschnell einordnen lässt und darin wie selbstreferentiell wirkt.

Beamer an, schieß es auf weiße Wand
Projektion – Jedes Wort, jeder Ton

Odd John auf Orange Days

Das beginnt schon auf der Ebene des Beats. Dieser hat zunächst einen sehr sommerlichen Flair, der durch den Sound einer elektrischen Orgel und summend gesungenen Back-Up-Vocals erzeugt wird. Doch sobald die Drums einsetzen, bekommt das Lied mit diesen eine unerwartet stark nach vorne gehende Triebfeder, welche sich dabei allerdings in keinster Weise unharmonisch anfühlt. So wird das Gefühl eines warmen Sommertages nicht aufgehoben, sondern viel mehr um den Drang zu tanzen ergänzt.

Und auch im weiteren Verlauf des Liedes, bleibt es abwechslungsreich. Wechsel in der Melodie, der Instrumentierung und den Gerappt-Gesungenen Passagen gestalten Orange Days immer wieder in andere Richtungen und erhalten gleichzeitig einen sehr stringenten Vibe. So entsteht eine geglückte nach Garage House klingender Sound.

Wie verstehen uns nur im Dunkel’n,

bitte geh‘ nie mehr von mir runter!

Odd John auf Orange Days

Dabei fällt besonders auf, dass bei oberflächlichem und unaufmerksamen Zuhören schnell der Trugschluss gezogen werden kann, bei Orange Days handle es sich um eine weitere Sommer-Hit-Liebes-Ballade. So schön angenehm und warm geht das Lied ins Ohr, so gut sind die mal eher gerappten und mal gesungenen Passagen arrangiert. Das Lied verleitet gerade dazu, sich diesem Vibe einfach hinzugeben. Gleichzeitig ist die thematische Ebene doch so direkt und klar ausformuliert, dass es eigentlich kaum zu übersehen ist, dass hier keine wunderschöne Sommerromanze besungen wird.

Bist du verliebt oder am projezieren?

Odd John auf Orange Days

Stattdessen handelt der Song nämlich von einem toxischen On-Off-Verhältnis, das durch Unklarheit und wiederholte Verletzungen geprägt ist. Eindrücklich wird beschrieben, dass durch unterschiedliche Wünsche und einer Ignoranz gegenüber dieser Tatsache ein Wechselbad der Gefühl erwächst. Odd John spricht von mehrfachen Anläufen, sich auf eine Beziehung einlassen zu wollen, vom wieder Ansetzen und dem fallen gelassen Werden, von einem Wechselspiel aus Hoffnung und Enttäuschung und von gegenseitig mangelnd offener Kommunikation der eigenen Gefühle.

Stell‘ die falschen Fragen zu der falschen Zeit

immer wenn wir hängen, kill‘ ich irgendwann den Vibe

Odd John auf Orange Days

Doch auch beim aufmerksamen Zuhören verpackt Odd John diese Thematik dabei lyrisch so angenehm, dass auch sein Umgang mit Worten beinahe vergessen lässt, wovon er eigentlich spricht. Der Text schwingt mit einer Ausstrahlung des Unkomplizierten über den Beat und doch sitzt jedes Wort in seiner Klangfarbe und Bedeutung an der genau richtigen Stelle.

Das Lied scheint also auf vielen Ebenen eine metaphorische Anspielung auf die eigene Thematik des vermeintlich Schönen mit einem verdängten unangenehmen Kern zu sein. So lässt sich das ganze ebenso gut mit einem Gefühl der Leichtigkeit in der Brust, wie auch mit einem in der Frustration einer solchen „(Nicht-)Beziehungs-Situation“ schwer gewordenen Kopf hören. Orange Days schafft eine wirklich beeindruckende Balance zwischen Frohsinn und Schwermut, welche beim Zuhören doch mit einem positiven Nachgeschmack zurücklässt und zeigt darin, dass sowohl Odd John, als auch Thinh wissen, was sie tun.

Quelle des Bildes: okwow